Und so kam eins zum anderen

Heute Morgen stand ich echt mit gemischten Gefühlen auf. Ich hatte mir gestern echt noch vorgenommen, diesmal bei Susanne richtig hart durchzugreifen – ich musste der einfach mal sagen, dass es so nicht geht und dass ich gerne auf sie verzichten kann. Aber schon als ich in die S-Bahn einstieg wusste ich, dass es eine ziemliche Überwindung sein würde, ihr wirklich einmal klar zu sagen, dass es fünf vor zwölf war. Sie war einfach immer eine Art Respektperson für mich – so blöd das auch klingt, aber auch als Inhaberin eines Friseursalons legt man das nicht ab. Ich machte gerade meinen wöchentlichen Friseureinkauf und suchte mir online die Friseurbedarf  Artikel, die Haarfarben und den Rest unserer Alltagsmaterialien heraus, als sich die Salontür hinter mir öffnete und auf einmal Joes Stimme zu hören war. Kurzerhand erstarrte ich hinter meinem Laptop und ich bewegte mich für einiges Sekunden keinen Millimeter. Erst, als mich Joe an der Schulter antippte, dreht ich mich langsam um und brachte ein „Hallo du“ heraus…

Was machte der da? „Hast du noch Zeit für einen Kunden?“ sagte er freundlich und obwohl wir randvoll mit Terminen waren, sagte ich ihm zu. Jenny, der ich gestern alles peinlich genau erzählt hatte, blinzelte mir nur aufmunternd zu. Ich bot ihm einen Friseurstuhl

an und nahm die Haarbürste in die Hand. Langsam fuhr ich ihm durchs Haar und ich merkte, wie ich kurz davor war, die rosarote Brille aus der Schublade ganz hinten hervor zu kramen. Ich riss mich zusammen und machte eine kurze ruckartige Kopfbewegung, ehe ich ihm ganz wie bei jedem Kunden, einen Kaffee oder ein Wasser anbot. Etwas irritiert über mein eigenartiges Verhalten, bat mich Joe um ein Glas Wasser und blieb brav auf seinem Friseurstuhl sitzen. Ich wusch ihm gerade die Haare und versuchte, mehr Friseurin als Rebecca zu sein, als es auf einmal dunkel wurde. Radio weg, Licht weg…. Strom weg. Wunderbar – was kommt diese Woche eigentlich noch alles auf mich zu??