„Armes Hasi“

 

Gott, was für ein Tag! Nachdem sich mein Kopf seit gestern anfühlte, als würde jemand mit einem Schlagbohrhammer daran arbeiten, beschloss ich, heute noch das Bett zu hüten. Jenny holte morgens den Salonschlüssel bei mir ab und organisierte gemeinsam mit Susanne die Kundentermine. Ich konnte mich also getrost auf mein Selbstmitleid konzentrieren und blieb mit lecker Schokolade und Tee im Bett. Karin hatte ich gestern noch angerufen. Sie meinte, ich solle mir mal jetzt keine Gedanken über Marketing und Co. machen – es würde nichts davon laufen. Ok – ihr Wort in Gottes Ohren.

 

Ich lag also den ganzen Vormittag im Bett und versuchte meine Kopf- und Gliederschmerzen auszukurieren. Als ich gerade mit einem Stück Schokolade im Mund eingedöst war, klingelte es an der Tür. Zuerst dachte ich, es wäre nur ein Traum, doch nach dem 10. Klingeln war ich dann vollkommen wieder im hier und jetzt und versuchte, mich aus dem Bett zu quälen. Schwankend fand ich mich dann endlich an meiner Wohnungstür wieder und lunzte durch den Türspion – ne oder?! „Kacke – was machste jetzt?“ dachte ich. Flach auf den Boden legen und Luft anhalten? Zurück ins Bett robben und so tun, als hätte ich nichts gehört? Oder aufmachen und damit den Wahnsinn in die Wohnung lassen??…nachdem meine Mutter zum 5. Mal „Hasi, was hast du denn – is alles ok, Hasi?“ gebrüllt hat, entschied ich mich, meines nachbarschaftlichen Rufes wegen, für die letzte Option und hackte den Tag gedanklich ab. Meine Mutter hatte heute die Idee, mich spontan im Friseur Salon zu besuchen und erfuhr von Jenny und Susanne, dass ich krank wäre. Nun stand sie hier, sprach geschätzte acht Tonlagen höher als normal, baute nach jedem Satz ein „Hasi“ ein und hielt einen Korb mit Hühnersuppe und homöopathischen „Notfall-Tropfen“ in der Hand. Ich konnte noch nicht einmal „Hallo“ sagen, hatte sie mich schon an der Hand gepackt, führte mich in mein Schlafzimmer zurück, packte mir Schal und Haube auf den Kopf und bettete mich nieder – Danke Jenny, danke Susanne.